Vorbereitungsworkshop und
"Kleine Sommerschule"

Berlin, 12.-17.03.2014

 

Hinweis: Der Workshop wurde verschoben und wird nun vom 12. bis 17. März 2014 an der Freien Universität Berlin stattfinden. Program (PDF)

Der Workshop in der arabischen Presse:  Youm7 und al-Bawabah News

Der Vorbereitungsworkshop Kairo 2013: Um die erfolgreiche Umsetzung des geplanten Sommerschulprogramms zu gewährleisten, findet im September 2013 ein von der VolkswagenStiftung geförderter Workshop mit "Kleiner Sommerschule" statt, der die Konzeption schärfen soll. Dazu werden im ersten Teil des Workshops inhaltliche und methodische Fragen theoretisch diskutiert. Dazu gehört die Vorstellung und Diskussion aktueller, interdisziplinär anschlussfähiger Forschungsansätze, die als zentrale Themen der geplanten Sommerschulen in Frage kommen, ebenso wie die praktische Umsetzung des Konzepts (etwa hinsichtlich der Lehr-, Lektüre- und Diskussionssprachen oder der Sichtbarkeit und Nachhaltigkeit des Vorhabens). Den zweiten Teil bildet eine viertägige "Kleine Sommerschule", die das bisher erarbeitete Konzept des Blickwechsels als interkulturelle Tandemlehre und -forschung in der Praxis erprobt. Abschließend werden die Ergebnisse der theoretischen Diskussionen und die praktischen Erfahrungen der "Kleinen Sommerschule" zusammengeführt und in Hinblick auf die abschließende Konzeption des Sommerschulprogramms ausgewertet.

Die "Kleine Sommerschule": "Arabische Philologie als Kulturwissenschaft" ist das Thema der "Kleinen Sommerschule". Sie beginnt mit einer kurzen Einführung in das Feld der Kulturwissenschaft und der kulturwissenschaftlich orientierten Philologie, im Rahmen derer die arabische wie die deutsche Seite die Entwicklung des Forschungsfeldes im jeweiligen Forschungskontext vorstellt und die Relevanz für die eigene Forschung darlegt. Auf dieser Basis werden exemplarisch je eine richtungsweisende arabische und eine deutsche Fallstudie eingehend diskutiert, wobei auch deren Übersetzungen Gegenstand der Diskussion sein werden. Aufbauend auf einer einführenden Präsentation des ausgewählten Forschungstextes werden einzelne Aspekte und Implikationen des Forschungsansatzes aus verschiedenen Blickwinkeln diskutiert und mit den Forschungsprojekten der teilnehmenden NachwuchswissenschaftlerInnen in Beziehung gesetzt. Die "Kleine Sommerschule" endet mit einem Ausblick auf die zentralen Themen, Fragestellungen und Methoden der arabischen und westlichen Arabistik als Kulturwissenschaft, der durch interdisziplinäre Perspektiven auf die Kulturwissenschaft bereichert wird.

Als arabischer Grundlagentext wird der Text "at-Tamaṯṯul aṯ-ṯaqāfī wa-talaqqī al-anwāʿ al-adabiyya al-ḥadīṯa" (erscheint 2013) von Samy Soliman vorgestellt und diskutiert. Die Hauptthese dieser Studie gründet sich auf den vom Autor selbst eingeführten Begriff at-tamaṯṯul aṯ-ṯaqāfī, unter dem er die Strategien fasst, die eine Kultur wählt, wenn sie neue kulturelle Begrifflichkeiten, Ideen und Vorstellungen aus einer anderen Kultur übernimmt und sie sich aneignet. Die Studie diskutiert kulturwissenschaftliche Ansätze und die Möglichkeiten, sie für die Analyse der Art und Weise, wie die arabische Literaturkritik die modernen literarischen Gattungen wie Roman und Drama rezipierte, fruchtbar zu machen. Abschließend weist er auf die Notwendigkeit hin, eine Reihe von Fragen hinsichtlich der modernen arabischen Kultur zu überdenken (wie etwa die Begründung des literarischen Denkens und des Bewusstseins für die modernen literarischen Gattungen oder die Herausbildung des sozialen und politischen Denkens) und so die überkommenen Vorstellungen infolge des Kontakts mit dem modernen westlichen Denken neu zu formulieren.

Von deutscher Seite wurde Thomas Bauers richtungsweisende, aber auch sehr kontrovers diskutierte Studie "Die Kultur der Ambiguität. Eine andere Geschichte des Islams" (2011) gewählt, die herkömmliche Sichtweisen auf die arabisch-islamische Geschichte und Kultur in ihren unterschiedlichsten Bereichen von der Frühzeit des Islams bis in die Gegenwart in Frage stellt. Im Unterschied zur allgemeinen Wahrnehmung zeichnete sich die arabische Kultur, so die Hauptthese, durch eine ausgeprägte Toleranz gegenüber unterschiedlichen, auch konkurrierenden Meinungen und Auslegungen aus, während diese Ambiguitätstoleranz mit dem Beginn der Moderne, nicht zuletzt infolge westlicher Einflüsse, verloren ging. Anknüpfend an diese Studie, aber auch in der Auseinandersetzung mit dem Konzept der Ambiguität im Allgemeinen lassen sich – je nach Interessen und Forschungsschwerpunkten der DozentInnen und TeilnehmerInnen – zahlreiche Aspekte (wie z. B. Religion, Erotik oder Eintritt in eine 'universale' oder 'hegemonial-westliche' Moderne oder auch Fragen der Ambiguität vs. Normativität) in Hinblick auf unterschiedlichste Forschungsfelder, Textsorten und Epochen diskutieren.

Folgepublikation: Eine zweisprachige Veröffentlichung, die ausgewählte Beiträge des Workshops und der "Kleinen Sommerschule" sowie die übersetzten Forschungstexte versammelt, präsentiert die Ergebnisse und Erfahrungen des Kairoer Workshops dem Fachpublikum wie auch einer breiteren Öffentlichkeit. Damit legt sie die grundlegenden Ziele der Initiative "Arabische Philologien im Blickwechsel" programmatisch dar und dokumentiert zugleich deren Umsetzung, mit dem Ziel, eine nachhaltige Debatte über die Lehr- und Forschungspraxis innerhalb der arabischen und westlichen Arabistik anzustoßen.

Teilnahme am Vorbereitungsworkshop Kairo 2013: Die Initiative "Arabische Philologien im Blickwechsel" bietet arabischen und westlichen NachwuchswissenschaftlerInnen der Arabistik die Möglichkeit, an der Entwicklung und Umsetzung einer gemeinsamen Zukunftsvision der Arabistik im 21. Jahrhundert mitzuarbeiten, sich kritisch an der Erarbeitung des Sommerschulkonzepts zu beteiligen und ggf. einen Beitrag in der Folgepublikation zu veröffentlichen. Für die Teilnahme an der "Kleinen Sommerschule" werden bevorzugt NachwuchswissenschaftlerInnen ausgewählt, deren Forschungsprojekt einen Bezug zur Kulturwissenschaft hat. Die Initiative "Arabische Philologien im Blickwechsel" übernimmt die Kosten für Anreise, Unterkunft und Verpflegung. Nähere Informationen finden Sie hier.